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Midas HD96 Test: Digitalpult für professionelle Touring-Anwendungen

Das Midas HD96 ist ein kompaktes, hochleistungsfähiges Digitalpult der Top-Klasse, spezifisch für anspruchsvolle Touring-Anwendungen entwickelt, bei denen maximale Klangqualität, robuste Bauweise und ein effizienter Workflow bei begrenztem Platz- und Gewichtsbudget entscheidend sind. Es bietet 144 Eingangskanäle und 120 Mixbusse bei 96 kHz, 28 Motorfader, einen 21″-Touchscreen und redundante Netzteile. Dieser Artikel löst kein hypothetisches Test-Szenario, sondern das reale Praxisproblem: Welches kompakte High-End-Pult ist die richtige Wahl für meine nächste Tour, bei der ich nicht auf Klang oder Features verzichten kann, aber kein 48-Kanal-Rack mitführen möchte?

Spezifische technische Anforderungen für kompaktes High-End Touring

Midas Heritage HD96-24
Foto: Midas

Welche technischen Spezifikationen sind für ein kompaktes Touring-Pult auf High-End-Niveau absolut notwendig? Es geht nicht um die längste Feature-Liste, sondern um die richtigen, robusten Features für den harten Alltag. Die folgenden Kriterien fassen die wichtigsten Anforderungen zusammen.

Physische I/O vs. Netzwerkerweiterung: Ein kompaktes Surface muss lokal genug XLR/TRS-Anschlüsse für Talkback, Notfall-Player und einen DJ bieten. Die wahre Stärke liegt in der skalierbaren I/O via Audio-Netzwerk. Ein System muss mindestens 64 Kanäle bei niedrigster Round-Trip-Latenz über eine einzige Cat5/6-Leitung handhaben können, idealerweise mit redundanter Verbindung.

DSP-Leistung und Redundanz: Die Rechenleistung muss nicht nur den FOH-Mix mit komplexen Rack-Verarbeitung und vielen Plugins stemmen, sondern gleichzeitig mehrere, individuelle Monitor-Würfe mit eigenen Dynamics und FX. Zwei redundante interne Netzteile (PSU) sind im High-End-Segment kein Luxus, sondern Pflicht. Dasselbe gilt für redundante Netzwerkpfade zu den Stageboxen.

Bauform und Integration: Gewicht und Abmessungen sind direkt mit Flugcase-Kosten und Mannschaftsstärke am Laderamp verbunden. Eine Breite unter 90 cm ist ein Game-Changer für enge Bühnenzugänge. Die Integration in bestehende Ökosysteme via Dante, AES67 oder MADI ist entscheidend für Broadcast-Zuspielungen oder den Anschluss von Recording-Rigs.

Auswahl von 3-5 passenden Pulten für diesen Anwendungsfall

Welche anderen Digitalpulte konkurrieren mit dem Midas HD96 im Segment ‚kompaktes High-End für Touring‘? Hier sind realistische Alternativen, die häufig auf Ridern stehen und technisch mithalten können.

1. Midas HD96: Das Kernargument ist der unverfälschte Midas-Klang in einem extrem kompakten Format. Die HD96-24 ist eine eigenständige Plattform (144 Kanäle, 96 kHz); Eingänge kommen primär über AES50-/HyperMAC-Stageboxen, eine integrierte 32-Kanal-Stagebox gibt es nicht. Für den Tontechniker, bei dem der Sound an erster Stelle steht und der bereit ist, sich auf die spezifische Workflow-Logik einzulassen, ist es eine Top-Option. Bedient wird primär über den 21″-Touchscreen und 28 Motorfader.

2. DiGiCo SD12: Der etablierte Platzhirsch im oberen Touring-Segment. Die FPGA-basierte SD-Serie ist für ihre Stabilität, unglaubliche Flexibilität im Routing und die schnelle Bedienung bekannt. Die SD12 bietet 26 Fader und zwei 15″-Touchscreens in einem vergleichsweise kompakten Surface. Die große Verbreitung bedeutet: Fast jeder Backliner kennt es, Ersatzteile oder ein Ersatzpult sind leichter zu finden.

3. Allen & Heath dLive C3500: Sticht durch sein modulares MixRack-Konzept hervor. Du kannst ein kompaktes C3500-Surface mit dem für deine Show passenden MixRack (CDM- oder DM-Serie mit 32 bis 64 Preamps) kombinieren. Das DX-Stagebox-Ökosystem ist kosteneffizient und leistungsstark. Viele Anwender sehen bei dLive das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in dieser Liga, ohne spürbare Kompromisse bei der Klangqualität oder Stabilität einzugehen.

4. Yamaha DM7: Die Neuentwicklung von Yamaha (2023) zielt direkt auf dieses Segment. Das integrierte Dante-Interface (144×144 Kanäle) macht die Vernetzung einfach. 120 Eingangskanäle, 28 Fader, zwei 12,1″-Touchscreens und die gewohnte, intuitive Yamaha-Ergonomie sind große Pluspunkte für Teams, die von CL/QL-Serien umsteigen. Es ist der moderne, netzwerkzentrierte Ansatz.

Vergleichstabelle: Kompakte High-End-Pulte für Touring

Midas HD96-AIR
Foto: Midas

Wie unterscheiden sich die technischen Daten der wichtigsten kompakten High-End-Pulte direkt nebeneinander? Diese Tabelle hilft bei der ersten groben Einordnung. Wichtig: Prüfe immer die aktuellen Spezifikationen auf der Herstellerseite, da sich Details durch Updates ändern können.

| Modell | Maximale I/O (lokal/Netzwerk) | DSP-Architektur | Standard-Audio-Netzwerk | Bildschirme | Gewicht (Surface) | Besonderheiten | Preiskategorie |

| :— | :— | :— | :— | :— | :— | :— | :— |

| Midas HD96-24 | 144 Eingangskanäle, 120 Busse; bis 576×576 via HyperMAC/AES50 | SHARC-DSPs + FPGAs, 96 kHz | AES50/HyperMAC, Dante/MADI über Module | 1× 21″ Touch | k. A. | 28 Motorfader, redundante Netzteile | Top-Segment |

| DiGiCo SD12 | Lokale I/O je nach Version; Erweiterung über Optocore-/MADI-Stageboxen | FPGA (Stealth Core 2) | Optocore, MADI | 2× 15″ Touch | k. A. | 26 Fader, extrem flexibles Routing | High-End / Top-Segment |

| Allen & Heath dLive C3500 | Wenige lokale I/Os; Eingänge über MixRack (32–64 Preamps) und DX-Erweiterungen | FPGA (XCVI), 96 kHz | DX/gigaACE (proprietär), optional Dante/MADI | 1× 12″ Touch | k. A. | Modular mit wählbarem MixRack, 16 FX-Racks | High-End |

| Yamaha DM7 | 32 In / 16 Out lokal, 120 Eingangskanäle, Dante 144×144 | Yamaha-DSP, bis 96 kHz | Dante integriert | 2× 12,1″ Touch + 7″-Utility-Screen | ca. 23,5 kg | 28 Fader, Dual-Netzteil, bekannte Yamaha-UI | High-End |

Praxis-Leitfaden: Setup und Betrieb des HD96 auf Tour

Wie richte ich ein Midas HD96 effizient für eine Tour ein und was muss ich im Betrieb beachten? Hier ist eine kompakte Kurzanleitung für den Einstieg.

Typisches Setup: FOH + Monitore von der Seite

Ein klassisches Szenario: Du stehst seitlich der PA und mischst sowohl FOH als auch 4-5 persönliche Monitor-Mixe. Das HD96 steht bei dir, eine einzige Cat6-Leitung (ideal redundant mit einem zweiten Switch) geht zur Bühne zu einer Midas-DL-Stagebox (z. B. DL32). Die HD96-Engine versorgt alle Wege. Konfiguriere deine DCAs/Gruppen vorab, um schnell zwischen FOH- und Monitor-Layer zu wechseln.

Pre-Event-Checkliste (5 Punkte in 5 Minuten):

1. Scene-Recall & Check: Lade deine Show. Gehe SOFORT alle Kanäle durch und prüfe Gain und Mute – besonders nach einem Firmware-Update.

2. Netzwerk-IP-Check: Sind alle Geräte (Stageboxen, Laptop für Multitrack) im gleichen Subnetz und haben eindeutige IPs? Ping-Test machen.

3. PSU-Redundanz test: Ziehe kurz eines der beiden Netzkabel. Kein Audioverlust? Gut.

4. FX-Bypass-Check: Stelle sicher, dass alle zentralen Effekte (Reverb, Delay) aktiv sind und nicht versehentlich auf Bypass stehen.

5. Talkback-Routing: Teste dein Talkback-Mikrofon zu allen relevanten Aux-Wegen (Monitor, Broadcast).

Häufige Fehler in der Praxis:

  • Gain-Structure zu niedrig: Die Midas-Preamps haben enormen Headroom. Viele stellen den Gain aus Gewohnheit zu niedrig ein und rauschen dann das digitale System auf. Fahre die Preamps heiß, aber sauber.
  • Netzwerk-Configuration unterschätzt: Nimm dir vor der ersten Show Zeit, das AES50/Dante-Netzwerk in Ruhe zu verstehen und zu dokumentieren. Ein falscher Clock-Master bringt das ganze System zum Schweigen.
  • Snapshots nicht nutzen: Du spielst in einer Halle, einem Club und Open-Air? Erstelle Snapshots mit unterschiedlichen EQ-Kurven für die Hauptgruppen (Vocals, Bass, Kick) für die jeweilige Akustik. Das spart wertvolle Soundcheck-Zeit.

Das Midas HD96 positioniert sich im High-End-Vergleich und im Mischpult Vergleich 2026. Für Touring-Einsatz lesen Sie unseren Touring-Mischpult-Ratgeber. Als Konkurrenten auf Augenhöhe: Allen & Heath dLive S7000 Test, Yamaha DM7 Test und Avid S6L Test. Zum Einstieg in die Midas-Familie lesen Sie den Midas M32 Test.

Häufig gestellte Fragen

Kann das Midas HD96 gleichzeitig FOH und Monitor mischen für eine mittlere Tour?

Ja, absolut. Die HD96-Engine (144 Kanäle, 120 Busse) bietet genug DSP-Leistung und Flexibilität im Routing, um einen vollwertigen FOH-Mix mit allen Prozessoren und parallel dazu mehrere, unabhängige Stereo- oder Mono-Monitor-Würfe mit individueller Dynamik und Effekten zu berechnen. Die limitierende Faktor ist oft die Anzahl der physischen Encoder, nicht die Rechenleistung.

Ist die HD96-Engine kompatibel mit anderen Midas-Stageboxen?

Ja, das HD96 arbeitet über AES50 mit den Midas-DL-Stageboxen zusammen; zusätzlich steht HyperMAC zur Verfügung. Eine integrierte Stagebox hat das HD96 nicht – mehrere DL-Boxen (z. B. DL32) lassen sich aber kombinieren, um die benötigte Zahl an Preamps vor Ort zu erreichen.

Wie viele Dante-Kanäle unterstützt das HD96 gleichzeitig?

Das HD96-24 besitzt eine integrierte duale Netzwerk-Bridge (bis zu 128 bidirektionale Kanäle); Dante und MADI werden über Module eingebunden. Die genaue Kanalzahl hängt von Modul und Samplerate ab. Für reine Dante-basierte Setups muss dies also eingeplant und die Konfiguration der Routing-Matrizen beachtet werden.

Wie aufwendig ist der Umstieg von einem Yamaha CL5 auf ein Midas HD96?

Der Umstieg ist substanziell. Du wechselst von einer sehr channel-strip-zentrierten, intuitiven Oberfläche zu einer mehr layer-basierten, screen-orientierten Logik mit weniger physischen Encodern. Der Workflow, besonders das Routing und das FX-Management, ist grundlegend anders. Plane mehrere Tage intensiver Einarbeitung und einen Test mit einer Band ein, bevor du es live einsetzt.

Bietet das HD96 redundante Netzteile?

Ja, das ist ein entscheidendes Feature für den Touring-Einsatz. Das Midas HD96 verfügt über zwei vollständig redundante interne Netzteile (PSUs). Falls eines ausfällt, übernimmt das andere sofort und ohne Unterbrechung des Audio-Signals die Stromversorgung des gesamten Systems.

Fazit mit Budget-Empfehlung

Ist das Midas HD96 eine lohnende Investition für welche Art von Tontechniker? Unsere Einschätzung auf Basis von Herstellerangaben, technischen Daten und Nutzerberichten: Das HD96 ist keine Allzweckwaffe, sondern ein Spezialwerkzeug für den klangbewussten Profi.

Für Tontechniker im oberen Mittelklasse- bis High-End-Touring, die den legendären, warmen und durchsetzungsfähigen Midas-Klang über alles schätzen und dabei maximale Leistung aus einem extrem kompakten und robusten Gehäuse benötigen, ist es eine der besten Empfehlungen. Es ist ideal für Tourmanager, die Gewicht und Platz im Truck sparen müssen, ohne bei der Audioqualität Kompromisse einzugehen. Die Investition bewegt sich im Top-Segment.

Wenn dein Workflow jedoch extrem schnell auf wechselnde Inputs reagieren muss (z.B. bei großen TV-Shows mit vielen Gästen) oder du stark in ein bestehendes Dante-Ökosystem eingebunden bist, könnten die Alternativen von DiGiCo oder Yamaha mit ihrer etablierten Routing-Geschwindigkeit oder nahtlosen Netzwerkintegration die pragmatischere Wahl sein. Für alle anderen, bei denen der Sound im Vordergrund steht und die bereit sind, sich auf ein neues, leistungsstarkes System einzulassen, ist das HD96 eine absolut ernstzunehmende und klanglich überzeugende Option. Denk daran: Das Budget für das Pult allein ist nicht alles. Kalkuliere immer die Kosten für hochwertige, redundante Netzwerk-Switches und robuste Flugcases mit ein.

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Le Fader Bewertung — Midas HD96

Bewertet nach unserer Le-Fader-Methode (Audioqualität 30 % · Workflow 25 % · Konnektivität 15 % · Preis-Leistung 20 % · Zuverlässigkeit 10 %). Spezifikationen und Preise von Herstellerseiten und Fachhändlern (Thomann).

Modell Audio Workflow Konnekt. P/L Zuverl. Gesamt /5
Midas HD96-24 4.7 4.5 4.5 3.7 4.6 4.4 ★★★★½

Gesamtbewertung: 4.4/5 ★★★★½ — gewichtete Synthese unserer fünf Bewertungsachsen.

Nützliches Zubehör

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